Allgemein, Streitbeilegung, Vermieter und Mieter

Gerichtsvollzieher – der Feind an meiner Tür!?

"Gerichtsvollzieher – der Feind an meiner Tür!?. Manche Menschen nutzen ihn zur Einschüchterung (ähnlich wie den "schwarzen Mann"), für andere ist er der Angstgegner schlechthin.  Betroffene sehen in ihm meistens eine Fleisch gewordene Bedrohung für Ehre, Hab und Gut: Der Gerichtsvollzieher.

Wenn er (oder sie) kommt, liegt ein vollstreckbarer Titel zugrunde, meist ein Urteil. Nicht selten wird dies nicht akzeptiert. "Gerechtes Urteil? PAH! Eine Verschwörung wars! Der Richter hat's nicht kapiert. Oder wollte nicht. Eine Krähe hackt eben der anderen…" Derart ausgeschmückt klingt die Erzählung über das gefühlte Gerichtsverfahren dann eher nach einem Hexenprozess: Zu Unrecht verklagt, verloren und abgestraft – ein himmelschreiendes Fehlurteil, eine Verschwörung gar!

Der nächste "Staatsdiener", der einem nach so einem Unrechtsurteil dann unter die Augen tritt, ist der Gerichtsvollzieher. Und genau deshalb lassen viele Schuldner an IHM ihre Wut aus, frei nach dem Motto: "Der Vollstrecker ist immer der Täter". Den GV umgibt in der kruden Phantasie des "Rechthabers" die morbide Aura des Henkers, begleitet von Fanfarenstößen eines Justizirrtums.

Enttäuschte Erwartung

Das eigentliche Dilemma aber steht nicht im Urteil: Enttäuschte Erwartung. Der Verlierer beharrt auf seinem Recht, er fühlt sich immer noch im Recht, doch nun ist er derjenige, der -für alle sichtbar- völlig zu Unrecht öffentlich gedemütigt wird. Bestraft. Gesteinigt.

DAS IST DOCH UNGERECHT! DER ANDERE HAT ANGEFANGEN!! Erwachsensein ist oft nichts anderes als die Fortführung des Sandkastens mit anderen Mitteln.

Diese enttäuscht-aggressive Gefühlslage allerdings ist das Pech der Gerichtsvollzieher als letztes Glied in der Kette des Rechtsstaats. Den letzten beißen bekanntlich die Hunde. Die Folge: Gewalttaten bei Vollstreckungshandlungen nehmen erschreckend zu.

Lebensgefährlicher Job

Besonders riskant sind für Gerichtsvollzieher Zwangsräumungen/ Räumungsvollstreckungen von Wohnraum. Bei dieser speziellen Vollstreckungsart riskieren sie -Ehemänner und Ehefrauen, Mütter und Väter- mittlerweile Leben und Gesundheit, Doch nicht nur sie, sondern auch Eigentümer und beteiligte Dritte. Immer häufiger kommt es bei Zwangsräumungen zu gewalttätigen Übergriffen. Denn nicht wenige Schuldner stehen dann vor den Scherben ihrer Existenz, mit Amokläuferpotential.

Oktober.2016 – Im Kreis Vorpommern-Greifswald setzt ein 54-jähriger Mieter die Türklinke unter Strom und droht mit einem Messer.

August 2012 – Ein 51-Jähriger in Berlin-Friedrichshain sticht das Vermieter-Ehepaar nieder und verletzt es lebensgefährlich. Danach legt er in seiner Wohnung Feuer und dreht alle Wasserhähne auf.

Juli 2012 – Ein 53-Jähriger tötet sich und den Gerichtsvollzieher, einen 33 jährigen Schlüsseldienstmann, den neuen Wohnungseigentümer und dessen Freundin.

Juli 2012 – Ein 67-jähriger Wohnungsmieter in Berlin-Moabit sticht auf den 34-jährigen Gerichtsvollzieher ein und verletzt ihn mit zwei Stichen in den Oberkörper lebensgefährlich.

Juni 2012 – Ein 60-Jähriger legt in Berlin – Wedding kurz vor der Wohnungsräumung im Hausflur mehrere Feuer, flüchtet und erschießt einen Schäferhund,

Oktober 2008 – In Solingen wird ein Gerichtsvollzieher durch den Wohnungsinhaber durch einen Bauchschuss schwer verletzt

Juli 2006 – Ein 76-Jähriger Mieter in Moabit passt den mit der Räumung beauftragten Gerichtsvollzieher im Treppenhaus ab und sticht ihm mit einem Messer in den Rücken.

Oktober 2002 – Der Kölner Gerichtsvollzieher Paul Spürk wird bei einer Zwangsräumung in der Kölner Innenstadt Opfer eines perfiden Anschlags. Der Mietschuldner manipulierte die Gastherme seines Apartments. Als ein Schlüsseldienst-Mitarbeiter das Schloss aufbohren wollte, kommt es zur Explosion: Der Mieter kommt sofort ums Leben, der Gerichtsvollzieher und der Schlüsseldienstmitarbeiter sterben erst Wochen später an schwersten Brandverletzungen.

Unterstützung für Opfer

Nach der tragischen Kölner Tat 2002 wurde das Sozialwerk des Deutschen Gerichtsvollzieher Bnndes e.V. mit Sitz in Siegburg gegründet. Die Ziele:

1. Unterstützung von betroffenen Opfern in Zusammenhang mit gegen sie verübter Gewalt- und Straftaten, sowie deren bedürftiger Angehörigen;

2. Unterstützung von Opfern und deren Angehörigen anlässlich von Katastrophenfällen;

3. Unterstützung von Menschen, die unverschuldet durch Krankheiten oder Unglücksfälle in eine schwere, Notlage geraten sind.

Allerdings fragen sich mittlerweile viele Gerichtsvollzieher, ob eine Zwangsräumung, letztlich wegen einer schnöden Geldforderung, das Risiko wirklich wert ist? Nicht wenige Gerichtsvolziher haben Angst und versuchen deshalb, Zwangsräumungsn zu umgehen – oder zumindest so weit wie möglich hinauszuzögern. Schließlich sind sie auf sich alleine gestellt. Die Polizei rückt bei Räumungen in der Regel nicht an. 

Der Rechtstaat bietet Gerichtsvollziehern keinerlei Schutz mehr. Und so sind Kommunikations-, Deeskalations- und Selbstverteidigungskurse für Gerichtsvollzieher mittlerweile an der Tagesordnung.

Dabei sind Gerichtsvollzieher mitnichten Scharfrichter! Für viele Schuldner sind Gerichtsvollzieher sogar der allerletzte Rettungsanker, wenn man denn vernünftig mit ihnen redet. Gerade Gerichtsvollzieher sind diejenigen, die Schuldner noch einmal eine letzte Chance geben, oft gegen alle Dienstanweisungen und auf eigene Kappe! Da mag der Auftraggeber dann toben wie er will, weil er es lieber schnell und schmerzhaft hätte.

Fazit

Auf welcher Seite Sie auch stehen mögen: Bitten denken Sie immer daran: Es geht bloß um Geld oder eine Sache!

Schuldner: Akzeptieren Sie, wenn Sie verloren haben. Zeigen Sie sich gegenüber dem Gerichtsvollzieher kooperativ.

Gläubiger: Überlegen Sie, ob eine Räumungsklage und Zwangsräumung wirklich erforderlich sind. Bei Geldforderungen: Respektieren Sie den Entscheidungsfreiraum des Gerichtsvollziehers.

Gerichtsvollzieher brauchen nicht gleich zu Ihren "Freunden" werden, aber "Feinde an der Tür" sind sie auf gar keinen Fall!

PS: Mein Vorschlag an dieser Stelle: Tun Sie ein ungewöhnliches gutes Werk. Wie wäre es mit einer einmaligen Spende an das Sozialwerk des Deutschen Gerichtsvollzieher Bundes e.V. Hier können Sie das Formular für eine Spende herunterladen.

Noch Fragen?

 
Übrigens: Danke schön fürs "Liken" oder Teilen!
Ihr Stefan Markel
Voranwalt.de

VORanwalt.de für Vermieter: Voller Erfolg – VOR oder STATT Anwalt und Gericht

 

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.