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Räumungsklage: Die (fast) unendliche Geschichte

Räumungsklage: Die unendliche Geschichte.

Ein gar nicht so untypischer Fall: Ein Mieter zahlt seit Monaten keine Miete mehr, geht nicht ans Telefon, reagiert nicht auf Briefe, öffnet auf Klingeln nicht die Tür, lässt auch auf die vom Vermieter ausgesprochene Kündigung wegen Zahlungsverzuges (Muster hier : www.mietrecht.org , Achtung: Der Autor übernimmt keine Haftung für diesen Link! )  die Frist für den Auszug und die Räumung der Wohnung ungenutzt verstreichen. Der Vermieter tauscht die Schlösser zum Mietobjekt aus, und wird vom Mieter bei Polizei und Staatsanwaltschaft angezeigt. Wegen des nun zu Recht gegen den Vermieter eingeleiteten strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens ist das Mietverhältnis endgültig zerstört. Der Mieter tauscht seinerseits die Schlösser aus, was er darf.

Der Vermieter erhebt nun über einen Rechtsanwalt Räumungsklage (Muster für eine Räumungsklage, hier-von Justiz.nrw.de , Achtung: Der Autor übernimmt keine Haftung für diesen Link!).

Allerdings ahnt er bereits, dass er einen hohen Schaden davontragen wird, denn der Mieter beginnt, die Wohnung erheblich zu vernachlässigen. Der Mieter ist mittellos und wird nichts von all den  durch ihn ausgelösten Kosten selbst bezahlen können.

Das eingeleitete Räumungsverfahren wegen Zahlungsverzuges vor dem zuständigen Amtsgerichts muss vom Vermieter vorfinanziert werden. Es hat folgenden, nicht unüblichen Verlauf:

Die Räumungsklage wird dem Mieter zugestellt, er beantragt Prozess-kostenhilfe und verteidigt sich mit einem Anwalt gegen die Klage. Die mündliche Verhandlung wird mehrfach wegen Erkrankungen, Urlaubszeiten, Terminskollisionen der Anwälte, Verhinderungen von Zeugen etc. verschoben.  Der vom Gericht zur Klärung einer Streitfrage beauftragte Sachverständige benötigt ein halbes Jahr für die Erstellung des Gutachtens, anschließend wird unter den Anwälten um die korrekte Auslegung des Gutachtens gestritten. Schließlich kommt das Gericht nach nahezu 2 Jahren Rechtstreit zu einem Urteil: Der Räumungsklage wird stattgegeben. Dem Mieter werden die Gerichts-, Anwalts und Sachverständigenkosten auferlegt.

Das Urteil wird dem Mieter zugestellt, es wird 4 Wochen nach Verkündung rechtskräftig und kann vollstreckt werden. Der Mieter legt keine Berufung ein. Ein Gerichtsvollzieher wird mit der Vollstreckung des Urteils beauftragt. Der Vermieter hat die Kosten dafür vorzustrecken. Die Vollstreckung des Urteils dauert einige Monate, weil der Mieter nicht freiwillig räumt.

Danach ist der mittellose Mieter verschwunden. Daher bekommt der Vermieter seine Kosten nicht durch den Mieter erstattet, außer seine Nachforschungen zB. über einen Privatdetektiv haben Erfolg und der Mieter wird aufgefunden Der Vermieter kann dann nach dem erfolgreichen Räumungsprozess und der vollzogenen Räumung seine aufgewendeten  Kosten beim Mieter außergerichtlich geltend machen bzw. erneut auf seine Kosten auf Zahlung verklagen. Dies in der Hoffnung, dass der Mieter irgendwann einmal wieder zu Geld kommt.

Insgesamt vergehen zwischen Kündigung und Räumung fast drei Jahre, 34 Monate, in denen der Mieter zudem keine Miete gezahlt hat.

Endlich kann der Vermieter mit der Renovierung der Wohnung beginnen, um sie neu zu vermieten.

Fazit: Eine Räumungsklage gegen einen Mieter ist teuer, zeitaufwendig und mit dem Risiko verbunden, dass der Vermieter trotz erfolgreicher Räumungsklage auf den Kosten des Verfahrens sitzen bleibt, wenn der Mieter kein Geld zur Verfügung hat. Kündigung und Räumungsklagen sollten wegen der vielen möglichen formalen Fehler immer nur nach Beratung oder durch einen Rechtsanwalt erfolgen!

Richtig ist, dass selbst eine formal korrekte Räumungsklage die einzige gerichtliche Möglichkeit ist, Mieterwohnungen nach der ausgesprochenen formal korrekten Kündigung räumen zu lassen.

Falsch jedoch ist, dass die Durchführung einer Räumungsklage die einzige Möglichkeit dazu ist, den Mieter zu einem Auszug zu bewegen.

Noch Fragen?

 
Übrigens: Danke schön für "liken" und Teilen!
Ihr Stefan Markel
Voranwalt.de

VORanwalt.de für Vermieter: Voller Erfolg – VOR oder STATT Klage und Gericht

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