Allgemein, Mandant und Anwalt

Wer muss den Anwalt bezahlen?

Wer muss den Anwalt bezahlen? Ist doch klar!

Eine Auflistung von Irrtümern –  und die nüchterne Wahrheit.

1. „Der Anwalt muss nicht bezahlt werden, er muss mir umsonst helfen, mein Recht zu bekommen!“

Das ist falsch: Anwälte sind Dienstleister gegen Entgelt, keine Samariter. Anwälte MÜSSEN nicht umsonst arbeiten, sie müssen noch nicht einmal helfen. Abgesehen von wenigen standesrecht-lichen Vorgaben kann jeder Anwalt frei entscheiden, für wen oder was er seine Zeit und sein Können einsetzt. Auch der Computer-Fachmann ist nicht verpflichtet, ihren Computer zu reparieren, schon gar nicht kostenlos.

2. „Der Anwalt wird bei Erfolg bezahlt!“

Das ist falsch: Der Anwalt wird für dafür bezahlt, dass er Zeit und Können einsetzt, unabhängig vom Erfolg. Die Tätigkeit beginnt mit dem ersten Gespräch. Auch die Tätigkeit eines Arztes beginnt mit dem ersten Gespräch. Ob er helfen kann, steht in den Sternen.

3.  „Der Anwalt muss erst nach Abschluss des Auftrags bezahlt werden!“

Das ist falsch:  Der Anwalt muss bezahlt werden, wenn er -wie jeder andere Dienstleister auch- eine Rechnung stellt. Dies kann und sollte auch eine Vorschussrechnung sein, und zwar bis zur Höhe der zu erwartenden Kosten. Erst nach Eingang des Rechnungsbetrages ist der Anwalt zur Tätigkeit verpflichtet. Übrigens endet ein Auftrag zum außergerichtlichen Tätigwerden mit dem Beginn eines Gerichtsverfahrens und das Gerichtsver-fahren mit dessen Abschluss, spätestens also mit einem Urteil. Eine Berufung ist für den Anwalt eine neue Angelegenheit – ein neuer Auftrag, in einer anderen Gerichtsinstanz.

4. „Der Gegner muss den Anwalt bezahlen!“

Das ist falsch: Der Anwaltskunde ist Auftraggeber muss den Anwalt bezahlen. Was interessiert den Anwalt der Gegner – und dessen möglicherweise miese Finanzlage? Selbst, wenn der Gegner verliert und in einem Urteil dazu verpflichtet wird, die „Anwaltskosten zu tragen“, bedeutet dies nur, er ist verpflichtet, dem Gewinner die bereits an den Anwalt gezahlten Gebühren zurückzuzahlen. Kann oder will der Gegner dieser Verpflichtung nicht nachkommen, hat der Anwaltskunde ein Problem, nicht der Anwalt. Die Durchsetzung des Urteils (Vollstreckung) ist für den Anwalt ein neuer Auftrag.

5. “Die gegnerische Haftpflichtversicherung muss den Anwalt bezahlen!“

Das ist falsch: Der Anwaltskunde ist Auftraggeber und muss bezahlen. Was interessiert den Anwalt der Gegner – und dessen Vertragspartner?

6. „Die Rechtschutzversicherung muss den Anwalt bezahlen!“

Das ist falsch: Der Anwaltskunde (Mandant) ist Auftraggeber und muss den Anwalt bezahlen.

Der Kunde und Auftraggebr muss den Anwalt in voller Höhe bezahlen! Woher der Kunde das Geld zu Bezahlung nimmt, interessiert den Anwalt bei der Annahme des Auftrags nicht Ebenso wenig interessiert sich der Anwalt dafür, wer dem Auftraggeber aufgrund irgendwelcher privaten Vereinbarungen eine Kostenübernahme / Kostener-stattung schuldet, sei es der Nachbar, die Oma oder eine Rechtschutzversicherung.

7. „Wenn die Rechtschutzversicherung nicht oder nur teilweise zahlt, ist das ein Problem des Anwalts!“

Das ist falsch: Zahlt die Rechtschutzversicherung nicht, ist das ausschließlich ein Problem des Anwaltskunden als Auftraggeber. Der Kunde muss den Anwalt in voller Höhe bezahlen.

8. „Der Anwalt muss sich umsonst darum kümmern, wenn die Rechtschutzversicherung nicht oder nur teilweise zahlt! “

Das ist falsch. Der Auftraggeber muss die Anwaltsrechnung in voller Höhe bezahlen. Zahlt die Versicherung nicht oder nur teilweise, wird die Versicherung zum Gegner des Anwaltskunden. Die Erstattung von Rechtsanwaltshonorar durch eine Rechtsschutzversicherung ist für den Anwalt ein neuer Auftrag.

9.  „Der Staat muss den Anwalt bezahlen“.

Das ist falsch: Der Staat MUSS gar nichts. Der Staat wird die Anwaltskosten allerdings übernehmen, wenn, wenn der Anwaltskunde „klamm“ ist und beim zuständigen Amtsgericht erfolgreich einen Antrag auf a) außergerichtliche Beratungshilfe (teilweise Kostenübernahme) oder b) Prozesskosten-/ Verfahrenskostenhilfe (für ein Gerichtsverfahren) gestellt hat.

10. „Der Anwalt ist verpflichtet, sich (kostenfrei) dafür einzusetzen, dass der Staat die Kosten übernimmt“

Das ist falsch: Der Anwaltskunde muss sich selbst darum kümmern, wenn der Staat Anwaltsgebühren übernehmen soll. Der Anwalt ist allenfalls verpflichtet, auf eine mögliche Kosten-übernahme durch den Staat hinzuweisen, wenn ihm der Kunde seine desolate Finanzlage offenbart. Was der Anwalt aber nicht weiß, macht ihn nicht heiß.

Wird der Antrag auf Beratungshilfe oder Prozesskostenhilfe abgelehnt, wird der Staat zum Gegner. Gegen eine Ablehnung vorzugehen,  ist für den Anwalt eine neue Angelegenheit.

11. "Gegen Anwaltsgebührenrechnungen kann man nichts machen!"

Das ist falsch: Auch in Anwaltsrechnungen können sich Fehler einschleichen. Anwaltsrechnungen sind genauso überprüfbar wie jede andere Rechnung auch.

12. "Anwaltshonorare stehen im Gesetz und lassen sich nicht verhandeln!"

Das ist falsch. Zwar gibt es ein Gesetz über Rechtsanwaltgebühren (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz – RVG) , aber die greift nur ein, wenn sich Anwaltskunde und Rechtsanwalt nicht anderweitig über Entlohnung geeinigt haben. Wie Sie mit dem Anwalt über Art und Höheder Gebühren verhandeln, welche Möglichkeiten bestehen und was Sie dabei beachten sollten, lesen Sie hier.

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Übrigens: Danke schön für "liken" und Teilen!
Ihr Stefan Markel
Voranwalt.de

VORanwalt.de für Vermieter: Voller Erfolg – VOR oder STATT Anwalt und Gericht

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