Allgemein, Streitbeilegung

Recht oder Rechthaberei?

Recht oder Rechthaberei? Nur mal so zum Nachdenken: Warum in Herrgotts Namen wird eigentlich heutzutage für jeden Kleinkram ein Gericht bemüht? Ist es wirklich erforderlich, wegen zeitweise spielender Kinder, wegen Blockflötenspiels vor 15.00 Uhr, einer bei ebay nicht 100 % ordnungsgemäß beschriebenen Wollmütze oder einer gefühlt zu hohen Mobilfunkrechnung vor den Kadi zu ziehen? Wegen eines Glases, das nicht bis zum Eichstrich gefüllt ist, oder wegen zu vieler Mücken an einem skandinavischen Urlausort „im Ernstfall“ bis vor den Bundesgerichtshof zu gehen? Nur weil man sich "im Recht" wähnt und zudem just irgendwo gelesen hat, irgendein Gericht in the middle of Germany`s nowhere habe entschieden, in solchen Fällen können man eventuell „Rechte“ haben oder sogar Schadensersatz oder Schmerzensgeld geltend machen.

„Na klar, ist das nötig“, werden Sie jetzt vielleicht sagen, „wenn der andere sich absolut stur stellt, bleibt einem ja nichts anderes übrig“.

Selbstverständlich ist IMMER der andere verantwortlich. Erst wird mit dem Anwalt / der Anwältin gedroht; und mit dessen/ deren Schutz lässt man sich sogar lieber „aus Prinzip“ auf ein endlos langes, nervenaufreibendes Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang ein, als zurückzustecken.

Ist das wirklich erforderlich?

Klar ist, dass jeder an seinen Streitigkeiten auch selber Mitschuld hat. Entweder war man zu gutgläubig, zu „bauernschlau“ oder zu gierig. Oder sonst irgendetwas. Wie auch immer, jedenfalls trägt man IMMER seinen Anteil. Klar ist ebenfalls, dass es keine „allgemeingültigen“ gerichtlichen Urteile gibt, sondern IMMER über konkrete Einzelfälle entschieden wird. Und der eigene Fall ist ebenso IMMER ein wenig anders als der bereits entschiedene, den irgendein Redakteur erwähnenswert fand!

Was für ein Kindergarten! Es gehört zum Leben dazu, dass etwas einmal nicht funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat. Es gehört dazu, sich dann einen konstruktiven Weg aus dieser Situation zu überlegen, anstatt eine Entscheidung auf Richter zu delegieren, nur weil man dem Alter nach „erwachsen“ ist. In den meisten Fällen wäre es für alle Beteiligten vorteilhaft, die enttäuschte Erwartung entweder wie ein guter Verlierer hinzunehmen – oder die Sache selbst in die Hand zu nehmen und in Gesprächen am Tresen oder Kaffeetisch zu klären: Von Mann zu Mann, von Frau zu Frau oder von Angesicht zu Angesicht? Leben und leben lassen– und gut ists.

Es ist erschreckend, dass die meisten Gerichtsverfahren vor den erstinstanzlichen Gerichten mehr oder weniger Nichtigkeiten als Gegenstand haben: Die „Rückgabe gebrauchter Arbeitsschuhe“ bis zur „Übernahme der Feuerwehrkosten für die Rettungsaktion der hinter dem Kühlschrank eingeklemmten Katze“ sind solche Beispiele.

Liegt unserem Gerechtigkeitsgefühl eher Recht oder tendenziell uneinsichtige Rechthaberei zugrunde –  wie damals, als Mutti schützend im Hintergrund war, oder später Frau Möckelbrinck, die Kindergärtnerin? Dann wäre modernes Erwachsenendasein an und für lediglich die Fortsetzung des Sandkastens mit anderen Mitteln. Muss das sein? Gibt es wirklich keine anderen Wege?

Nur mal so zum Nachdenken.

Noch Fragen?

 
Übrigens: Danke schön fürs "liken" und Teilen!
Ihr Stefan Markel
Voranwalt.de

VORanwalt.de für Vermieter: Voller Erfolg – VOR oder STATT Klage und Gericht

2 thoughts on “Recht oder Rechthaberei?

  1. Sehr interessanter Beitrag, welcher auch wirklich zum nachdenken anregt. Es ist richtig, dass nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich ein Anwalt eingeschalten werden sollte. Aber dennoch ist es oft auch besser, zu früh einen Rechtsanwalt zu kontaktieren als zu spät oder auch gar nicht. Das ist jedoch sehr Sachbedingt und hängt von der Streitigkeit ab. Ein sehr informatives Blog!

    1. Hallo Ankan1, vielen Dank für das Lob! Meine Faustregel ist ganz einfach: In Strafsachen sollte IMMER ein Anwalt eingeschaltet werden, in Zivilrechtssachen (Verträge) umso frühzeitiger, je wichtiger einem eine Angelegenheit persönlich ist, je nachhaltiger oder “teurer” es werden kann, wenn es zum Meinungsverschiedenheiten kommt. Wo die Grenze zwischen “wichtig” und “nicht so wichtig” liegt, muss jeder für sich selbst selbst entscheiden. Im VORanwalt.de-blog und auf der Voranwalt.de-Seite geht es vorwiegend um bestehenden Streit, die jemand in seinen “nicht so wichtigen” Fällen hat, Vor oder STATT Anwalt und Gericht…

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