Strategieberatung, Streitbeilegung

Vergleiche hinken

Glauben Sie immer noch an Recht und Gerechtigkeit? Sie fühlen Sie sich "im Recht" und erwarten daher zwangsläufig, vor Gericht zu gewinnen? Sie werden enttäuscht sein: Vor Gericht stehen nicht Sie oder "Ihr gutes Recht" im Vordergrund, sondern das Gesetz. Vor Allem aber: Die Bewältigung der Prozessflut. Und  deshalb wird Ihnen das Gericht bereits im Gütetermin einen Vergleich als „gute Lösung“ verkaufen wollen. Wie enttäuschend: Das hätten Sie auch selbst schaffen können.

Gemäß § 779 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist ein Vergleich

„Ein Vertrag, durch den der Streit oder die Ungewissheit der Parteien (…) im Wege gegenseitigen Nachgebens beseitigt wird (Vergleich), (…)“

Im Klartext::

  1. Weder Sie, noch der Richter haben eine Ahnung, wie der Streit vor Gericht ausgeht, die Akte wurde vielleicht noch gar nicht vertieft bearbeitet,
  2. Die Parteien sollen gegenseitig auf einen Teil Ihrer Forderung verzichten. Jede Partei "verliert" teilweise..

Jeder Vergleich hat ausschließlich zwei Verlierer: Die Streitparteien.

Gewinner eines Vergleichs sind ausschließlich andere: Anwälte erhalten eine Extragebühr, und für das Gericht entfällt das mühsame Bearbeiten des Falls, sowie das Ausarbeiten; Formulieren und Fällen eines (berufungsfähigen) Urteils. Bei einem Vergleich leert sich der Richterschreibtisch schnell, unwiderruflich und für die Staatskasse kostengünstig. Richter sind teuer!

Kein Wunder also, dass Richter, Gesetzgeber und Justizministerien ein echtes eigenes Interesse daran haben, die „Ungewissheit“ der Parteien über den Ausgang des Streits geradezu zu fördern: Außerdem steht im Gesetz, dass die Güteverhandlung nur ein einziges Ziel hat: den Abschluss eines Vergleichs (§ 278 Abs. 2 ZPO: „Der mündlichen Verhandlung geht zum Zwecke der gütlichen Beilegung des Rechtsstreits eine Güteverhandlung voraus,…“)

Ergo werden den Parteien in vielen Güteverhandlungen unabhängig von der Aktenlage sämtliche Risiken ihrer Standpunkte solange und so oft plastisch-drastisch dargestellt, bis sie -die anwesenden Parteien- „weich gekocht“ sind. Sodann folgt ein Vergleichsvorschlag, der sich zumeist irgendwo in der Mitte beider Positionen befindet. Anwälte nennen dies verärgert: „die Parteien werden zum Vergleich prügeln“. Oft sind sie in einer solchen Situation hilflos: Denn wenn der Mandant einem Vergleich zustimmt, müssen Sie sich diesem Willen beugen.

Mit "Recht und Gerechtigkeit" hat das nichts zu tun. Leider gibt es noch keinen ehrlichen § 779 a BGB, in dem das auch so steht: "Vergleiche hinken"…

Eine für die Parteien wirklich „gute Lösung“ sieht anders aus: Bei einer wirklich guten Lösung gewinnen beide Parteien, zwar auf jeden Fall!

Wie das geht? Drei Grundvoraussetzungen sind nötig:

  1. Selber denken
  2. Umdenken, eine andere Lösung suchen als einen Vergleich, wie er vom Gericht "von Gesetzes wegen" vorgeschlagen würde
  3. Einigung außerhalb des Gerichtssaals

Es kommt anders, wenn man (selber) denkt. Tatsächlich ist eine wirklich gute Lösung möglich, wenn die Streitenden sich dem Streitthema stellen, und möglicherweise auch einem tiefer liegenden Problem. Wenn das Denken nicht einem Dritten übertragen wird, sondern in einer persönlichen Auseinandersetzung alle Hintergründe (Interessen, Motive und Emotionen) „auf den Tisch“ kommen, die beim Streit eine Rolle spielen. Wer tatsächlich eine befriedigende Lösung sucht, bei der er „auf jeden Fall“ gewinnt, muss zwangsläufig darüber nachdenken,  was er den als wirklich befriedigend empfinden würde. Er muss dies auch aussprechen können, um den Kopf für neue Ideen oder Alternativen freizubekommen. .

Am allerbesten eignen sich dazu private „Tacheles – Gespräche“ untereinander. Das haben Menschen Tausende Jahre lang erfolgreich so gemacht, bevor der staatlich garantierte „Rechtsweg“ erfunden wurden. Das Problem ist ja nicht neu: Seit ewigen Zeiten glaubtimmer jede Streitpartei, "im Recht" zu sein. Früher wurde dann ein alter oder weiser Mensch befragt. oder ein Vermittler eingeschaltet. Dann kam der anonyme Rechtstreit.

Falls in Ihrer Nachbarschaft gerade kein weiser Mensch wohnt, kann also ein unabhängiger und bewertungsfreier Gesprächsvermittler eine große Hilfe sein, beispielsweise ein Mediator. Wichtig ist allein, dass die Parteien selbst eine Lösung entwickeln, die den Streit beendet, ohne Verlierer. Nach einer so gefundenen Lösung klappt`s dann auch mit dem Gegner wieder.

Liegt es also nicht viel näher, bei einem Streit zuerst VOR oder STATT Anwalt und Gericht nach einem gemeinsamen Siegerpodest zu suchen, als sich mit „hinkenden Vergleichen“ abzugeben ?

 

MEDIATION BIETET EINEN WEG.

DER MEDIATOR IST DER GUIDE.

NUR LAUFEN WOLLEN MÜSSEN SIE SELBST!

 

Noch Fragen?

 
Übrigens: Danke schön fürs "liken" und Teilen!
Ihr Stefan Markel
Voranwalt.de

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