Mandant und Anwalt

Anwalt und Mandant – Du kannst mich einfach nicht verstehen ?

Das haben Sie bestimmt selbst schon selbst erlebt: Anwälte und Mandanten können eine ganze Stunde miteinander reden –  und genau so lange aneinander vorbei. „Du kannst mich einfach nicht verstehen“ – das wäre die treffende Charakterisierung dieser Gespräche. Woran liegt es, dass eigentlich ein Dolmetscher bzw. Verstehensvermittler nötig wäre ? Die vier Hauptgründe für Mißverständnisse sind:

  1. Anwälte verstehen nicht, was Mandanten sagen!

Anwälte neigen dazu, nicht richtig zuzuhören. Sie denken derart ergebnisorientiert, dass sie schon bei den ersten Worten eines Mandanten beginnen, diese in eine juristische Lösungsmöglichkeit umsetzen. Schließlich – so denken Anwälte – will der Mandant eine Lösung,  und je schneller und umfangreicher diese Lösung präsentiert wird, desto eher werden sie selbst als „kompetent und gut“ wahrgenommen. Wie ein einmal abgeschossener Pfeil entwickelt geschulter anwaltlicher Sachverstand nach der ersten juristisch verwertbaren Vokabel aus dem Mund des Mandanten gedankliche Eigendynamik: Er lässt den Mandanten nicht mehr „ausreden“ ( also reden, bis dieser fertig ist), sondern unterbricht und redet selbst drauflos. Der Autor kennt das noch aus der Zeit am Anfang seiner eigenen Anwaltstätigkeit.

Andererseits überlassen es Mandanten nur allzu gern dem Anwalt, ihr eigentliches Anliegen in konkrete Worte zu fassen: Juristische Worte. "Wenn der Anwalt das so bezeichnet, dann wird das schon stimmen, oder ?". Woher soll denn auch ein Laie wissen, wie man sein Problem auf „juristisch“ nennt? Die juristisch-technischen Bezeichnungen des Anwalts wiederum verstehen Laien anders als der Anwalt selbst – und schon liegen Vorstellung und Wirklichkeit weit auseinander. Nachfragen, das trauen sich Mandanten oft nicht: Schließlich sind sie ja nur Laien, dazu noch aufgeregt und fachlich in der schwächeren Position. Und sie können ja gar nicht wissen, was rechtlich möglich ist.

Umgekehrt trauen sich auch Anwälte oft im Verlauf des Gesprächs nicht mehr, beim Mandanten nachzufragen. Schließlich könnte ihr soeben errichtete Gedanken- und Lösungsweggebäude dann zusammenstürzen.

 

  1. Mandanten verstehen nicht, was Anwälte sagen

Wie jeder andere Beruf, hat auch der des Rechtsanwalts sein eigenes Fachchinesisch, aber Anwälte reden besonders seltsam. Anwälte sprechen zwar deutsch, aber ein emotionsloses und mit Paragrafen gespicktes Bürokratendeutsch.  Viele juristische Begriffe versteht ein Laie nicht auf Anhieb, zum Beispiel "Beweislast" oder "Schaden". Für Anwälte sind solche Begriffe allerdings dermaßen einfache Alltagsbegriffe, dass sie ihn als „allgemein bekannt“ voraussetzen. Das Wort MUSS ein Mandant doch verstehen. Tut er aber nicht – zumindest nicht im Rechtssinne.

Oft sind die von Anwälten verwendeten Formulierungen auch zu wenig mitfühlend, zu wenig empathisch. "Rückgängigmachung eines Kaufvertrages wegen käuferseitig subjektiv empfundenen, auffälligen Missverhältnisses zwischen Leistung und Gegenleistung" klingt einfach anders als: "Ich bin zutiefst enttäuscht und wütend über den Schrott, den ich für mein mühsam erarbeitetes Geld bekommen habe. Mein Sohn hat mich ausgelacht und meine Frau spricht kein Wort mehr mit mir." Um sich verstanden zu fühlen, brauchten Mandanten eigentlich oft  eine Übersetzung vom Juristendeutsch in „verständliches Deutsch“, eine Art Dolmetscher. Und umgekehrt.

Gleiches gilt übrigens auch für Notare: Mir ein Fall bekannt, wo jemand beim Notar einen Immobilienkaufvertrag unterschrieben hat, obwohl im Vertragsentwurf und beim Vorlesen des Vertrages kein einziges Wort verstanden hat: Er wollte sich unter keinen Umständen die Blöße geben, zugeben zu müssen, dass er etwas nicht verstanden hat. Fatal.

  1. Anwälte antworten nicht konkret

Anwälte wissen genau, dass es keine „sicheren Lösungen“ gibt, dass auch Urteile von vielen Einzelfallfaktoren abhängen, nicht zuletzt vom Richter (Nebenbei: Gute Anwälte kennen zwar das Gesetz, noch besser aber den Richter). Ständig sind Anwälte von Schadensersatzforderungen bedroht, falls sie einen Fehler machen. Falsche Beratung ist ein solcher Fehler. Mandanten hingegen erwarten aber klare Lösungen und klare Ansagen, mithin Bestätigung oder Widerlegung ihres Rechtsempfindens. Ein Dilemma. Um sich bloß nicht festnageln zu lassen, weichen Anwälte beispielsweie oft auf die allgemeine Floskel „das kommt darauf an“ aus. Es ist ein Rettungsanker. Auf jeden Fall hat der Anwalt an diesem Punkt wieder Zeit gewonnen, und sich erst einmal freigeschwommen – wenn auch auf Kosten der Verständlichkeit.

  1. Gespräche drehen sich im Kreis

Anwälte sehen sich als Wegfinder und Vollstrecker einer selbst gefundenen Lösung: DAS ist der Auftrag, für den sie  bezahlt werden.

Um eine solche Lösung zu finden, gilt es gilt im Mandantengespräch also, möglichst schnell den juristisch verwertbaren Kern herauszufiltern. Genau so haben Anwälte ihre Vorgehensweise auch gelernt: Bei jeder Klausur oder Prüfung im Studium und Referendariat kommt es nur darauf an, den (schon juristisch formulierten und auf das juristisch Wesentliche reduzierten) Prüfungssachverhalt  möglichst schnell rechtlich zu beurteilen und eine Lösung zu finden. Um diese dann niederzuschreiben, reicht (mit ein wenig Glück) die Prüfungszeit so gerade eben.

Im Mandantengespräch muss der Anwalt also, will er das Erlernte anwenden, einen äußerst unbequemen Zusatzschritt machen: Er muss das „unjuristische Gebrabbel“ des Mandanten erst einmal „entziffern“ und in eine knappe, juristisch verwertbare Form bringen. Ergo hört er nicht nichtig zu, denkt zweigleisig und sucht im Mandantenwortschwall hilflos nach Worten, die unter einen Fachbegriff passen könnten. Selbstverständlich leidet darunter der wichtigste Beratungsaspekt, nämlich die Fragen nach dem Ziel des Mandaten und die Frage nach den Hintergründen, nach den Motiven. Will der Mandant wirklich Geld, oder geht es ihm darum, einen Gesichtsverlust auszugleichen? Oder will er sich – Auge um Auge, Zahn um Zahn – schlicht für eine erlittene Blamage rächen? Rache ist im Gesetz allerdings nicht vorgesehen, und eine geringe Summe als Schadensersatz reicht dazu nicht aus. Wenn man sie denn überhaupt bekommt: Verletzte Eitelkeit ist nämlich kein "Schaden" im Rechtssinne.

Auch lassen Anwälte Ihre Mandanten oft während des Gesprächs über ihre Gedankengänge im Unklaren: Sie stellen Rückfragen, ohne zu erklären, warum sie etwas wissen möchten. So mancher Mandant kommt dann in unangenehme und unnötige Erklärungsnot: Er weiß einfach nicht, was das mit „seinem Fall zu tun hat“ und worauf das hinaus laufen soll.

Anwälten fällt es schwer, vom einmal juristisch eingeschlagenen Gedankenweg abzuweichen, gerade wenn der Mandant seine Meinung ändert. Seine Meinung ändert ein Mandant, wenn sich seine Motive ändern. Über Motive und Interessen allerdings wird nicht gesprochen.

Und so ist eine Lösung, die der Anwalt gefunden hat, oft genug lediglich seine „eigene Lösung“, geht am Mandanteninteresse  und an den Motiven des Mandanten schlichtweg vorbei. Selbst, wenn sie juristisch brilliant ist..

Um Missverständnisse, Frustration und Kosten zu vermeiden, würde sich da fast anbieten, einen Verstehensvermittler einzuschalten.  Jemanden, der beide Perspektiven kennt, die Spache des Anwalts und die des Mandanten spricht und wechselseitig "übersetzen" kann…

Bei  VORanwalt.de wären Anwalt und Mandant da genau an der richtigen Adresse !.

Noch Fragen?

 
Übrigens: Danke schön fürs "liken" und Teilen!
Ihr Stefan Markel

One thought on “Anwalt und Mandant – Du kannst mich einfach nicht verstehen ?

  1. Sehr gut geschildert, die Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant kann sehr kompliziert sein. Mein Freund hat nun bei einer Kanzlei für Arbeitsrecht begonnen und ich verstehe nur Bahnhof. Auch er denkt, dass es ganz klar sei, dass ich ihn verstehe. 

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